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Bildungscampus Wien West - 3. Preis

Konsulenten: Freiraumplanung: idealice landschaftsarchitektur, Kunst: Mag.art. Ingeborg KumpfmĂŒller, Tragwerksplanung: gmeiner|haferl ZT GmbH, TGA: HTB-Plan, Brandschutz: DI Pausa, Verkehrsplanung: TRAFFIX Verkehrsplanung GmbH, Kulturtechnik: DI Schattovits ZT GmbH

EU-weiter, offener, zweistufiger Realisierungswettbewerb - 3. Preis

STÄDTEBAU
Der neue Bildungscampus Wien-West bildet in seiner Gesamtanlage einen klaren baulichen Abschluss des bestehenden Bebauungsgebietes zwischen Wiental und Gleisanlage. Als lineares Element nimmt er die zwischen diesem Bestand existierenden Spannungen in seiner Gestaltung auf, orientiert sich an der vorhandenen MaßstĂ€blichkeit und wirkt gleichzeitig ausgleichend: konkret sind das die betriebsame Geschwindigkeit auf dem Gleiskörper der Eisenbahn einerseits und die gelassene Ruhe in der Wohnbebauung anderseits.
Als relativ strenges, gebautes Volumen schirmt es den Stadtraum an der Nordgrenze des GrundstĂŒcks gegen die Bahntrasse ab, wĂ€hrend sich sĂŒdseitig durch versetzte Volumina ein dreidimensionales, rĂ€umlich-lebendiges Spiel der Fassaden ergibt. Die auf dieser privilegierten Seite (SĂŒd) liegende Terrasse ĂŒbt mittels der dadurch entstandenen GebĂ€udeabtreppung grĂ¶ĂŸtmögliche RĂŒcksichtnahme hin zur Wohnbebauung und schafft dadurch fĂŒr letztere sogar einen Mehrwert: z.B. großzĂŒgige AbstĂ€nde, Freilassen von Sichtachsen, offene Nutzung von GrĂŒnraum und Spielplatz oder schließlich Abendnutzung von Teilen des SchulgebĂ€udes, was in Summe einer Weiterentwicklung des Gesamtareals gleichkommt.
An der belebten Westgrenze (Straßenverkehr bzw. massiger Betriebs-Baukörper) wurden alle An-und Ablieferungen angeordnet, die nicht direkt mit dem Schulbetrieb zu tun haben; ostseitig wird der GelĂ€ndeverlauf in der Anlage des „WĂ€ldchens“ dem Bestand angeglichen.

GEBÄUDESTRUKTUR – ERSCHLIESSUNG – GESTALTUNG
Aus WirtschaftlichkeitsĂŒberlegungen wurde fĂŒr die wesentlichen Funktionen ein kompakter Hauptbaukörper, der dreiseitig sonnenbelichtet wird, gewĂ€hlt. Dieser, in Anspielung auf den nahen Gleiskörper auch als Waggon lesbarer Bauteil ruht auf dem flĂ€chig ausgebreiteten Erdgeschoß, in dem die horizontale Verteilung sowie vertikale Erschließung beginnt und Sonderfunktionen untergebracht sind.
Dessen etwas grĂ¶ĂŸere, wegen der darĂŒberliegenden Terrassen und deren Nutzung bzw. GrĂŒnraumaufbau wechselnde Raumhöhen erklĂ€ren sich aus der Absicht, das Ankommen deutlich zu betonen und „Raum zum Atmen“ anzubieten; darĂŒberliegende Raumhöhen richten sich nach den Ausschreibungsbedingungen.
In Richtung Bahnanlage hin sind Teile der Multifunktionszonen, TeamrĂ€ume, KreativrĂ€ume sowie NebenrĂ€ume angeordnet. Die AußenhĂŒlle – ebenso wie die Konstruktion in Stahlbetonbau als konstituierender Teil des Entwurfes – versteht sich als modular vorgefertigte, vorgehĂ€ngte Fassade, die keiner wesentlicher Unterhaltungsmaßnahmen bedarf; sĂŒdseitig ist ein außenliegender Sonnenschutz vorgesehen.
Die bewusst belebt gestaltete Erdgeschoßzone (Höhenkote +51,0 = 0,00), die sich in der differenziert abgewickelten Fassade mit ihren rĂ€umlichen Versetzungen („Basisausnehmungen“) und dem als Vorhof angelegten grĂ¶ĂŸeren Einschnitt hin zum Stadtraum öffnet, beherbergt an den drei freiliegenden Seiten die Abfolge: Anlieferung, nicht einsehbare aber spĂŒrbare TurnsĂ€le (Deutschordenstraße), den Musikbereich an der Straßenecke, den betonten Haupteingang (Teilung der Nutzerströme) sowie schließlich den Übergang zum Kleinkindergarten mit seinem angrenzenden Freiraum. UnterstĂŒtzt durch eine Reihe von farbigen Stelen, die als interaktive Klangkörper ausgelegt sein könnten, wird das letzte StĂŒck des Ankommensweges der SchĂŒlerinnen und SchĂŒler ein sensorisch erlebbares Ereignis, quasi eine „Einladung zur Schule“ auf subtil optisch-akustische Weise, was sich vom Außenraum bis ins GebĂ€udeinnere zieht.
Ein weiteres Anliegen des Entwurfes stellt das Verweben der Raumfolge Aula – Bibliothek – StiegenlĂ€ufe mit dem GesamtgebĂ€ude dar, die zum erklĂ€rten Zentrum des Campus mit seinen Sondereinrichtungen und KreativrĂ€umen wird.
Durch einen direkt vom Eingangsniveau auf die hoch liegende Terrasse fĂŒhrenden, abschließbaren Treppenlauf besteht eine wechselseitige Kommunikation von FreiflĂ€chen unterschiedlicher Lage; der danebenliegende Abendzugang erlaubt ein reibungsloses Funktionieren des außerschulischen Betriebes fĂŒr Musik, Veranstaltungen, TurnsĂ€le und Gymnastik. Dem Bildungsbereich 8 (Kinder mit besonderen BedĂŒrfnissen) wurde ein direkter Zugang zum Freiraum der Ebene +1. Zugeordnet; der Biber 1 liegt ebenfalls ebenerdig, andere Biber „stapeln“ sich links und rechts von der Halle in die Obergeschoße, wodurch eine klare und eindeutige Orientierung fĂŒr die jungen Nutzer gegeben ist.
Die Mufu Zone ist in verschiedene Bereiche gegliedert: ruhiges Arbeiten, Versammlung, RĂŒckzug, offenes Lernen, Gruppenarbeit, Spiel und Essen (nahe des Eingangsbereiches, klar strukturiert); jeweils direkt angelagert befinden sich die FreirĂ€ume (Terrassen).
Wichtiger Teil des Entwurfskonzeptes ist die Einpassung des GebĂ€udevolumens in das Terrain mit seinen Höhenunterschieden. Dies zeigt sich insbesondere im Querschnitt durch die Mittelzone (Halle). Gleichsam in das GebĂ€udeinnere „hineingesogen“, erleben die Kinder hier die gesamte, maximal mögliche GebĂ€udetiefe und deren Endpunkt im Lichteinfall aus der Nordfassade, da die erste OG-Ebene 2,2 m ĂŒber bestehendem Terrain zu liegen kommt.
Der Luftraum in der glasgedeckten Halle der Aula, die auch den offen gedachten Bibliotheksbereich mit Tageslicht versorgt, bildet zusammen mit den StiegenlĂ€ufen und BrĂŒcken im 2. OG den kommunikativsten Bereich des GebĂ€udes mit besonderen rĂ€umlichen QualitĂ€ten.
Die SpeisesĂ€le in den Obergeschoßen bleiben außerhalb der Essenszeiten als zusĂ€tzliche BewegungsrĂ€ume verfĂŒgbar, im Außenraum bestehen dort auch ĂŒber die geforderten FlĂ€chen hinaus Terrassenangebote.