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Sanierung und Modernisierung Zuschauerhaus Raimundtheater - 2. Preis

Freiraum: grĂĽnplan GmbH, Bauphysik: DI Martin Franz Tichelmann, Hochbaukonsulent: Resetarits Consult, Kunst: Mag.art. Ingeborg KumpfmĂĽller / Visualisierung: Virtual DynamiX multimedia und architecture

2. PREIS

Vorbereich
Das von außen für den Ankommenden als „wienerisch-historisch gewachsenes Theater“ wahrnehmbare Erscheinungsbild des Gebäudes soll im Großen und Ganzen beibehalten werden. Um einerseits den gewohnten Anblick für das Publikum bewahren zu können, anderseits aber die notwendigen Anpassungen an die heutigen Standards (ästhetisch, funktionell und technisch) für ein derartiges Haus erfüllen zu können, wurden die im Projekt planlich dargestellten, gezielten Gestaltungsmaßnahmen gesetzt, die ein Aktualisieren in mehrfacher Hinsicht ermöglichen, ohne die historische Substanz zu schmälern.
Über den weiter unten genauer beschriebenen Vorplatz wird der zentrale Eingang erreicht. Die sich links und rechts davon befindlichen Öffnungen in der Fassade werden als plastisch-kristallin gestaltete Elemente ausgeführt; Sprossung und Faltung verstärken beim Ankommenden die Perspektive und erhöhen dadurch die Bedeutung des Hauses. Anstelle des ehemals vorhandenen skulpturalen Dachschmucks (zentral über dem Eingang) wird in Addition zum Namenszug „Raimundtheater“ eine zeitgenössische „Skulptur“ vorgeschlagen, die durch die Aufnahme von Dynamik und Farbenfreude auf die Aktivitäten im Hause anspielt und die im Weiteren eventuell sogar Logo-Funktion erreichen kann.
Das vorgegebene Raum- und Funktionsprogramm ebenso wie der Kostenrahmen werden eingehalten und der Entwurf entspricht dem beigestellten Brandschutzkonzept.


Zuschauerraum

Bei der Innenraumgestaltung wird durch die Wahl der Ausstattung (geometrisch einfache Kugelform für Beleuchtungskörper, schlicht-geradlinige Handläufe etc.) sowie durch gezielte Materialreduktion und –wahl eine zeitgemäße, angenehme Atmosphäre erzeugt, wobei insbesondere der Funktionalität der Oberflächen (Berücksichtigung des haptischen Effektes, dort wo die Hand in Berührung mit ihnen kommt) und deren positive Alterung Wert gelegt wird. Im Theaterraum spielt naturgemäß die Wahl der Bestuhlung eine wichtige Rolle: Das vorgeschlagene, qualitätsvolle Traditionsprodukt des namhaften Herstellers Poltrona Frau erfüllt alle Erfordernisse (benötigte Dimensionen, Bequemlichkeit, schlichte Form) und wurde erfolgreich bereits in anderen Häusern eingebaut und erlaubt gleichzeitig die gewünschte Erhöhung der Sitzanzahl. Als Bodenbelag kommt Teppich in den Verkehrsbereichen und Linol zwischen der Bestuhlung zur Anwendung.
Funktionell wurde versucht, trotz größeren Sitzangebotes (in Summe 1350 Plätze) eine Straffung des gesamten Ablaufes zu erreichen. Die in der Plänen im Parkett dargestellte Version mit 2 Gängen und drei kompakten Sitzbereichen erlaubt hier 496 + 88 Sitzplätze; bei nur einem Mittelgang und zwei Sitzbereichen sind sogar 500 + 96 Plätze möglich (die + Zahlen beziehen sich auf die Erweiterung anstelle des Orchestergrabens), während auf dem 1. Rang 370 und dem 2. Rang 303 Plätze vorgesehen sind.
An den Wänden und in der Kalotte wird die neue Farbgebung und die „Beleuchtungslinien“ in den Lisenen die moderne, im Grundfarbton „Flieder“ gehaltene Bestuhlung im Zusammenspiel mit der übrigen Raumausstattung Ton in Ton einen anregenden und im Einklang mit den Darbietungen zeitgemäßen Eindruck beim Besucher erwecken. Ein Schriftband am Gesimse des Balkons in Referenz auf den historischen Bestand verweist auf Inhaltlich-Literarisches.


Foyers, Pausengänge, Untergeschoß
Direkt von der Straße kommend und der dadurch gegebenen Belastung ist als Bodenbelag im Foyer der ursprüngliche und widerstandsfähige Terrazzo gedacht.
Bei der Räumlichkeit selbst wird – so wie bei den in den angeführten Ebenen liegenden Servicebereichen (Buffets oder Bars) – konform mit dem Hauptraum ebenso der neue atmosphärische Gesamteindruck zur Geltung kommen. Einzelne „Versorgungsinseln“ – in Muschelform gedacht sind in den Gängen positioniert (Rückwand verspiegelt und als Glasträger ausgebildet) – sowie zusätzliche Servicebereiche derart verteilt, dass Gangbreiten nicht gestört sind und jeder/jedem möglichst in der Nähe rasch sein Konsum angeboten werden kann. Außerdem sind im UG, im Foyer und im Niveau 2.Rang kleine Shops vorgesehen.
Klare, kurze Wege (sichtbar z.B. beim Behinderten-Lift), gebündelte Garderoben im UG (bis auf eine Ausnahme: Reserve für Schulen im OG) mit größtmöglicher Pultlänge sowie eine in Summe kompakte Möblierung unterstreichen dieses Konzept.


Vorplatz
Aufgrund der städtebaulichen Lage hat der Vorplatz des Raimundtheaters – bei gleichzeitiger repräsentativer Wirkung für das Theatergebäude – das Potential zu einem wertvollen, hybriden Freiraum öffentlichen Charakters. Es wird vorgeschlagen, diesen Vorbereich „Rudolf Marik Platz“ – einer für das Theater historisch bedeutenden Person – zu benennen.
Die derzeit bestehende, bastionsartige Stützmauer wird aufgegeben und das Gelände entsprechend der historischen Gegebenheiten vom Theater zur Kreuzung Wallgasse/Strohmayergasse in einer Ebene verzogen. Der Zugang zum Aufzug im Gebäude wird im Hinblick auf die Neigung barrierefrei angebunden. Eine Verlängerung der Treppen entlang der Strohmayergasse und eine bepflanzte Grünfläche lassen den Umgang mit dem beträchtlichen Höhenunterschied spielerisch wirken. Das natürliche Grün steigert die Aufenthaltsqualität, belässt dabei aber der Fassade des Theaters großzügig Platz ohne diese zu stören.
Fix installierte Sitz- und Liegeelemente aus feingestocktem, weißem Beton laden zum Verweilen ein. Die Bespielung des Vorplatzes für feierliche Anlässe ist flexibel möglich. An prominenter Stelle situiert und im Verlauf der Straßenräume bereits von weitem als Blickfang oder Wegmarke sichtbar, dient ein beidseitig lesbarer Infoscreen (hinterleuchtete Darstellung des Plakates zur jeweiligen Aufführung in Großformat) zur Fassung des Vorplatzes an dessen Spitzende.