English

Bildungscampus Wien West - 3. Preis

Auslober: Stadt Wien MA 19 / Konsulenten: Freiraumplanung: idealice Landschaftsarchitektur, Kunst: Mag.art. Ingeborg Kumpfmüller, Tragwerksplanung: gmeiner|haferl ZT GmbH, TGA: HTB-Plan, Brandschutz: DI Pausa, Verkehrsplanung: TRAFFIX Verkehrsplanung GmbH, Kulturtechnik: DI Schattovits ZT GmbH

EU-weiter, offener, zweistufiger Realisierungswettbewerb - 3. Preis

STÄDTEBAU
Der neue Bildungscampus Wien-West bildet in seiner Gesamtanlage einen klaren baulichen Abschluss des bestehenden Bebauungsgebietes zwischen Wiental und Gleisanlage. Als lineares Element nimmt er die zwischen diesem Bestand existierenden Spannungen in seiner Gestaltung auf, orientiert sich an der vorhandenen Maßstäblichkeit und wirkt gleichzeitig ausgleichend: konkret sind das die betriebsame Geschwindigkeit auf dem Gleiskörper der Eisenbahn einerseits und die gelassene Ruhe in der Wohnbebauung anderseits.
Als relativ strenges, gebautes Volumen schirmt es den Stadtraum an der Nordgrenze des Grundstücks gegen die Bahntrasse ab, während sich südseitig durch versetzte Volumina ein dreidimensionales, räumlich-lebendiges Spiel der Fassaden ergibt. Die auf dieser privilegierten Seite (Süd) liegende Terrasse übt mittels der dadurch entstandenen Gebäudeabtreppung größtmögliche Rücksichtnahme hin zur Wohnbebauung und schafft dadurch für letztere sogar einen Mehrwert: z.B. großzügige Abstände, Freilassen von Sichtachsen, offene Nutzung von Grünraum und Spielplatz oder schließlich Abendnutzung von Teilen des Schulgebäudes, was in Summe einer Weiterentwicklung des Gesamtareals gleichkommt.
An der belebten Westgrenze (Straßenverkehr bzw. massiger Betriebs-Baukörper) wurden alle An-und Ablieferungen angeordnet, die nicht direkt mit dem Schulbetrieb zu tun haben; ostseitig wird der Geländeverlauf in der Anlage des „Wäldchens“ dem Bestand angeglichen.

GEBÄUDESTRUKTUR – ERSCHLIESSUNG – GESTALTUNG
Aus Wirtschaftlichkeitsüberlegungen wurde für die wesentlichen Funktionen ein kompakter Hauptbaukörper, der dreiseitig sonnenbelichtet wird, gewählt. Dieser, in Anspielung auf den nahen Gleiskörper auch als Waggon lesbarer Bauteil ruht auf dem flächig ausgebreiteten Erdgeschoß, in dem die horizontale Verteilung sowie vertikale Erschließung beginnt und Sonderfunktionen untergebracht sind.
Dessen etwas größere, wegen der darüberliegenden Terrassen und deren Nutzung bzw. Grünraumaufbau wechselnde Raumhöhen erklären sich aus der Absicht, das Ankommen deutlich zu betonen und „Raum zum Atmen“ anzubieten; darüberliegende Raumhöhen richten sich nach den Ausschreibungsbedingungen.
In Richtung Bahnanlage hin sind Teile der Multifunktionszonen, Teamräume, Kreativräume sowie Nebenräume angeordnet. Die Außenhülle – ebenso wie die Konstruktion in Stahlbetonbau als konstituierender Teil des Entwurfes – versteht sich als modular vorgefertigte, vorgehängte Fassade, die keiner wesentlicher Unterhaltungsmaßnahmen bedarf; südseitig ist ein außenliegender Sonnenschutz vorgesehen.
Die bewusst belebt gestaltete Erdgeschoßzone (Höhenkote +51,0 = 0,00), die sich in der differenziert abgewickelten Fassade mit ihren räumlichen Versetzungen („Basisausnehmungen“) und dem als Vorhof angelegten größeren Einschnitt hin zum Stadtraum öffnet, beherbergt an den drei freiliegenden Seiten die Abfolge: Anlieferung, nicht einsehbare aber spürbare Turnsäle (Deutschordenstraße), den Musikbereich an der Straßenecke, den betonten Haupteingang (Teilung der Nutzerströme) sowie schließlich den Übergang zum Kleinkindergarten mit seinem angrenzenden Freiraum. Unterstützt durch eine Reihe von farbigen Stelen, die als interaktive Klangkörper ausgelegt sein könnten, wird das letzte Stück des Ankommensweges der Schülerinnen und Schüler ein sensorisch erlebbares Ereignis, quasi eine „Einladung zur Schule“ auf subtil optisch-akustische Weise, was sich vom Außenraum bis ins Gebäudeinnere zieht.
Ein weiteres Anliegen des Entwurfes stellt das Verweben der Raumfolge Aula – Bibliothek – Stiegenläufe mit dem Gesamtgebäude dar, die zum erklärten Zentrum des Campus mit seinen Sondereinrichtungen und Kreativräumen wird.
Durch einen direkt vom Eingangsniveau auf die hoch liegende Terrasse führenden, abschließbaren Treppenlauf besteht eine wechselseitige Kommunikation von Freiflächen unterschiedlicher Lage; der danebenliegende Abendzugang erlaubt ein reibungsloses Funktionieren des außerschulischen Betriebes für Musik, Veranstaltungen, Turnsäle und Gymnastik. Dem Bildungsbereich 8 (Kinder mit besonderen Bedürfnissen) wurde ein direkter Zugang zum Freiraum der Ebene +1. Zugeordnet; der Biber 1 liegt ebenfalls ebenerdig, andere Biber „stapeln“ sich links und rechts von der Halle in die Obergeschoße, wodurch eine klare und eindeutige Orientierung für die jungen Nutzer gegeben ist.
Die Mufu Zone ist in verschiedene Bereiche gegliedert: ruhiges Arbeiten, Versammlung, Rückzug, offenes Lernen, Gruppenarbeit, Spiel und Essen (nahe des Eingangsbereiches, klar strukturiert); jeweils direkt angelagert befinden sich die Freiräume (Terrassen).
Wichtiger Teil des Entwurfskonzeptes ist die Einpassung des Gebäudevolumens in das Terrain mit seinen Höhenunterschieden. Dies zeigt sich insbesondere im Querschnitt durch die Mittelzone (Halle). Gleichsam in das Gebäudeinnere „hineingesogen“, erleben die Kinder hier die gesamte, maximal mögliche Gebäudetiefe und deren Endpunkt im Lichteinfall aus der Nordfassade, da die erste OG-Ebene 2,2 m über bestehendem Terrain zu liegen kommt.
Der Luftraum in der glasgedeckten Halle der Aula, die auch den offen gedachten Bibliotheksbereich mit Tageslicht versorgt, bildet zusammen mit den Stiegenläufen und Brücken im 2. OG den kommunikativsten Bereich des Gebäudes mit besonderen räumlichen Qualitäten.
Die Speisesäle in den Obergeschoßen bleiben außerhalb der Essenszeiten als zusätzliche Bewegungsräume verfügbar, im Außenraum bestehen dort auch über die geforderten Flächen hinaus Terrassenangebote.